Wie können wir unsere Worte bewusst und verantwortungsvoll wählen? Was ist die Intention deines Beitrags? Willst du ernsthaft Schaden anrichten oder einfach nur deinem Ärger Luft machen? Willst du deinen Müll abladen oder tatsächlich etwas Konstruktives zur Situation beitragen? Es lohnt sich in jedem Fall, kurz innezuhalten und zu überlegen: Ist es notwendig, ist es wahr, ist es freundlich?

Die Maxime „Bevor du etwas sagst, überlege, ob es wahr, notwendig und freundlich ist“ bietet einen nützlichen Rahmen, um kommunikative Achtsamkeit zu üben und Konflikten vorzubeugen. Doch was steckt hinter diesem Gedankengang aus psychologischer Sicht?
Oft fällt es uns schwer, innezuhalten, bevor wir unsere Gedanken herausposaunen. Beobachte dich ein paar Tage selbst und du wirst merken, wie häufig du dir deine Antworten im Kopf zurechtlegst, noch während dein Gegenüber spricht. Brennt es dir total auf der Zunge, dann sprudelt es heraus, obwohl dein Gesprächspartner noch gar nicht fertig ist. Du kennst das unschöne Gefühl unterbrochen zu werden oder, wenn dir nicht konzentriert zugehört wird. Wiederholt sich dieses Muster, hat das einen erheblichen Einfluss auf die zwischenmenschliche Beziehung. Damit meine ich sowohl Paarbeziehungen, als auch Freundschaften, Familie oder Arbeitskollegen.
Die Rolle der Selbstreflexion in der Kommunikation
Wenn Coaches sagen: "Du musst bei dir bleiben!", "Schau, da mal genauer hin!" usw. geht es letztendlich immer um Selbstreflexion. Du kannst nicht erkennen, was möglicherweise immer wieder dieselben Kommunikationsprobleme auslöst, wenn du nicht reflektierst. Die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Erleben ermöglicht es, auf impulsive Reaktionen zu verzichten, die dann oft zu Konflikten führen. Ein kurzes Innehalten verbessert die Qualität der Kommunikation, hilft die eigenen Gefühle und Gedanken zu erkennen, bevor sie in energetisch negative Worte umgesetzt werden.
Kommunikation - Sender - Empfänger - unterschiedliche Kanäle und Wellenlängen, als ob all das nicht schon kompliziert genug wäre kommt folgendes hinzu:
Die Welt da draußen ist laut, es prasseln tagtäglich viel zu viele Eindrücke auf uns ein - wir sind damit schlichtweg überfordert. Unzufriedenheit macht sich breit, man kommt gefühlt nicht hinterher, noch mehr Anspannung und Druck. Dass es dann in emotional stressigen Situationen zu Überreaktionen, hitzigen Diskussionen oder impulsiven Ausbrüchen kommt ist nicht verwunderlich - doch was kannst du dagegen unternehmen?
a) Schule deine Selektive Wahrnehmung.
Du lernst Störquellen auszublenden und es fällt dir leichter im Hier und Jetzt zu bleiben. Das ist eine gute Basis von wertschätzender Kommunikation - sei zu 100% präsent.
Was kann dabei helfen?
Punkt 1: Selbstreflektion: Welche Reize stressen dich im Alltag und wie kannst du sie eliminieren?
Punkt 2: Nachrichten und soziale Medien pausieren.
Punkt 3: Fokussierung & volle Konzentration statt Multitasking.
Punkt 4: Aufgeräumte Umgebung und ein strukturierter Arbeitsplatz.
b) Was hilft in der Kommunikation? Kommen wir zurück zu: Wahrheit, Notwendigkeit und Freundlichkeit.
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Ist das, was du sagen möchtest, wirklich wahr? Sind es nur Annahmen, Vermutungen oder Gossip? Verzerrte Wahrnehmung führt ebenfalls zu Missverständnissen (Kognitive Verhaltenstherapie).
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Ist eine Äußerung notwendig oder lediglich ein Ventil für aufgestaute Emotionen? (Emotionsregulation is the key). Das Konzept der Bedürfnisorientierung, wie es in der Gewaltfreien Kommunikation (Rosenberg) vermittelt wird, lehrt unsere Bedürfnisse klar zu benennen und den Fokus darauf zu legen. So entsteht Raum für einen Dialog, in dem alle Parteien gehört werden, statt impulsiv Vorwürfe zu äußern.
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Es ist nachvollziehbar, dass sich Konflikte mit Freundlichkeit besser bewältigen lassen. Wobei es nicht um Schwäche oder Nachgeben geht, sondern um eine vertrauensvolle Atmosphäre, die es ermöglicht auch schwierige Themen konstruktiv anzusprechen.
Praktische Tipps für den Alltag
- Atmen: Ein paar tiefe Atemzüge helfen dabei, sich zu zentrieren und unterdrücken den Impuls, sofort zu reagieren.
- Schriftliche Reflexion: Vor herausfordernden Gesprächen kann man seine Gedanken zunächst aufzuschreiben. Das verschafft Klarheit darüber, ob die Äußerung wirklich notwendig ist.
- Ich-Botschaften: Anstatt den anderen anzugreifen, sollte man seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse kommunizieren. Das reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Gesprächspartner in die Defensive gedrängt fühlt.
Fazit:
Wenn wir lernen, unsere Aufmerksamkeit gezielt zu steuern und uns von unnötigen Ablenkungen befreien, schaffen wir die Voraussetzung, die drei Säulen - Wahrheit, Notwendigkeit & Freundlichkeit - in unserem täglichen Miteinander effektiv anzuwenden. Wir sind innerlich ruhiger, was uns in die Lage versetzt uns auf das Wesentliche zu konzentrieren und impulsive Reaktionen zu vermeiden. Gute Kommunikation kann man üben, auch das ist ein Prozess, der Zeit braucht und nicht immer gleich gelingt. Wir sind alle Menschen und sammeln Erfahrungen, manchmal klappt es, beim nächsten Mal geht es richtig in die Hose. Wenn du jedoch immer wieder versuchst diese Aspekte in dein Leben zu integrieren verbesserst du nachhaltig dein Wohlbefinden und wirst tiefere und empathischer Verbindungen zu anderen aufbauen.
Sei dein eigener Superheld - sei authentisch, respektvoll und versuche bewusst zu agieren.
Von Herzen, Nadine
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