Schaffst du es, dich immer selbst zu vertreten oder fällt dir „Nein-sagen“ schwer? Was schwingt mit, wenn du darüber nachdenkst, für dich einzustehen? Meine heutige Story dazu kann dich triggern...
Viele fürchten negative Reaktionen oder haben Angst, als „egoistisch“ wahrgenommen zu werden. Der Wunsch nach Harmonie ist zu groß, man will andere nicht enttäuschen oder gar abgelehnt werden.
Heute stand ich vor einer schwierigen Entscheidung. Jemand in meinem Umfeld war verstorben, und ich wollte mein Mitgefühl zeigen. Also entschied ich mich, zur Beerdigung zu gehen – doch nicht, um zu bleiben, sondern um kurz meine Anteilnahme auszudrücken und wieder zu gehen. Warum? Weil ich mich mit der Kirche nicht identifiziere und ich alleine das Wort "Leichenhalle" schon grauenhaft finde. Zudem mag ich die Art und Weise nicht, wie dort mit dem Tod umgegangen wird.

Die Atmosphäre in solchen Räumen ist schwer und bedrückend. Statt Menschen Trost, Liebe und Wärme zu spenden, wirkt alles kalt und dunkel. Diese Schwere verstärkt nur den Schmerz der Hinterbliebenen, und das empfinde ich als schrecklich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Verstorbene wollen, dass ihre Angehörigen zusätzlich so intensiv leiden. Ihre Seelen haben ihre eigene Entscheidung getroffen, diesen Ort zu verlassen – und ich glaube, sie würden sich wünschen, dass wir ihren Übergang mit Liebe und Mitgefühl begleiten, nicht mit übermäßiger Trauer. Liebevoll und wertschätzend Abschied nehmen muss doch nicht düster und schwarz sein?
Ich habe das getan, was sich für mich richtig angefühlt hat: Die Menschen, die mir wichtig sind, von Herzen umarmt und Kraft für den schweren Tag gewünscht. Dort zu bleiben, nur weil man es "so macht", ist keine ehrliche Energie für mich.
Vielleicht hätte ich anders entschieden, wäre es ein enger Kreis gewesen. Mein Weg, mein Mitgefühl auszudrücken, war aufrichtig – auch wenn es nicht dem klassischen Ablauf entsprach.
Für mich ist es extrem wichtig, Menschen dazu zu animieren authentisch zu handeln, anstatt sich an gesellschaftliche Erwartungen zu halten, die ihnen nicht entsprechen. Ein authentisches „Nein“ sowohl kommuniziert als auch in der Handlung respektiert uns selbst und unser Umfeld. Langfristig schaffen wir so Raum für echte Verbindungen und Beziehungen, die auf Ehrlichkeit und gegenseitigem Respekt beruhen. Was hoffentlich irgendwann in eine emotional gesunde Gesellschaft mündet.
Die Psychologin Virginia Satir veranschaulichte dieses Dilemma mit einem starken Bild: Stell dir vor, du trägst ein Medaillon um den Hals. Auf der Vorderseite steht ein großes JA, auf der Rückseite ein großes NEIN.
- JA bedeutet: „Danke, dass Du mich wahrnimmst. Was Du verlangst, passt hervorragend für mich und die Antwort ist JA.“
- NEIN bedeutet: „Danke, dass Du mich wahrnimmst. Was Du verlangst, passt im Moment nicht für mich und daher ist die Antwort NEIN.“
Du siehst, sowohl das „Ja“ als auch das „Nein“ sind respekt- und wertvolle Antworten, basierend auf der Anerkennung und Wahrnehmung des Gegenübers und der eigenen Grenzen. Das „Nein“ ist kein Angriff oder eine Zurückweisung der anderen Person, sondern ein Ausdruck dessen, was im Moment nicht mit den eigenen Bedürfnissen übereinstimmt.
Bewusste Entscheidungen helfen, gesunde Grenzen zu setzen und man lernt diese auch bei anderen zu akzeptieren: Denn meine Meinung oder Ansicht zu einem Thema ist lediglich meine Wahrheit, deine darf anders sein und das ist völlig in Ordnung.
Wenn du merkst, dass es dir schwerfällt, „Nein“ zu sagen oder klare Grenzen zu setzen, ist das eine Einladung, tiefer in dich hineinzuhorchen. Was hält dich zurück? Wie gut kennst du deine eigenen Bedürfnisse?
Gerne kannst du diesen Test machen. Er hilft dir, dein Verhalten zu reflektieren und herauszufinden, wie bewusst du deine eigenen Bedürfnisse wahrnimmst. Die Auswertung erfolgt persönlich und gibt dir wertvolle Tipps, wie du deine Fähigkeit, Grenzen zu setzen, weiter stärken kannst.
Fazit:
Traue dich, dein eigenes Medaillon zu tragen – und wähle bewusst, wann du die JA- oder die NEIN-Seite zeigst. „Nein“ zu sagen, kann herausfordernd sein und stößt ganz oft auf Unverständnis. Indem du lernst, bewusst und respektvoll „Nein“ zu sagen, öffnest du dir selbst die Tür zu einem authentischen Leben, in dem deine Bedürfnisse genauso zählen wie die der anderen.
In Liebe, Nadine
Kommentar hinzufügen
Kommentare